evidenzbasiertes Personalmanagement

Zielsetzung des evidenzbasierten Personalmanagements ist eine hohe Qualität der unternehmenseigenen personalpolitischen Maßnahmen und Werkzeuge. Diese hohe Qualität wird durch die systematische Analyse des Problems, eine Berücksichtigung von Ursache-Wirkungs-Zusammenhängen sowie die Kombination wissenschaftlicher und organisationsspezifischer Erkenntnisse bei der Lösungsfindung sichergestellt.

Hierzu werden verschiedene Methoden und Quellen herangezogen:

  • Externe Evidenz: Nutzung von Erkenntnissen, die mit wissenschaftlichen Methoden wie z.B. Experimenten und empirischen Studien gewonnen werden.
  • Interne Evidenz: Nutzung von Erkenntnissen der eigenen Organisation, die durch Ursachenanalyse und andere tatsachenbasierte Ansätze gewonnen werden.
  • Fachmeinung und -erfahrung: Nutzung von Erfahrungswerten und Werkzeugen, die von Fachleuten / Professionals beigesteuert werden.
  • Die Methode des evidenzbasierten Personalmanagements beruht somit auf den folgenden Grundprinzipien:

    1. Herausforderung / Problem verstehen und in Fragestellung übersetzen
    2. Stand der Forschung ermitteln:
      – Wissenschaftliche Literatur, z.B. via https://scholar.google.de, identifizieren
      – kostenfreie Versionen von Fachartikeln via http://unpaywall.org/ einsehen
    3. Eigene Datenquellen analysieren:
      – Organisatorische Daten auswerten
      – Fachmeinung und Erfahrung von Kollegen und Beratern einholen
      – Einschätzungen und Meinungen von Beteiligten zur Kenntnis nehmen
    4. Kritische Bewertung und Gewichtung der verschiedenen Quellen
    5. Zusammenfassung der Erkenntnisse
    6. (ggf. experimentelle) Anwendung auf die Fragestellung
    7. Evaluierung der Anwendung

    Letztendlich geht es also darum, eine Wirkung der unternehmenseigenen Personalprogramme und Aktivitäten auf die Mitarbeiter und den Unternehmenserfolg mit empirischen Erkenntnissen zu untermauern und deren Sinnhaftigkeit überprüfen und nachweisen zu können.

    Infografik

    Das Center for Evidence-Based Management hat im Mai 2017 eine schöne Infografik zur „evidence-based practice“ veröffentlicht:

    weiterführende Literatur

    • Einen guten, deutschsprachigen Artikel zur Einführung des Themas haben Prof. Dirk Sliwka und Jr. Prof. Torsten Biemann von der Uni Köln geschrieben.
    • Vom britischen HR Magazine und unterstützt von KPMG stammt das kostenloses eBook Evidence-based HR, das einen sehr guten Überblick über die Evidenz zu aktuellen Personalthemen gibt. Sehr empfehlenswert!
    • Die klassisches Einführung in die Grundprinzipien des Evidence-based Managements stammt aus der Feder von Eric Barends, Denise M. Rousseau sowie Rob B. Briner. Ein Must-Read für jeden Interessierten.

    Weitere Quellen

    • Das britische Future Work Centre ist eine unabhängige Beratungs- und Forschungsorganisation mit der Mission eine bessere Entscheidungsfindung von Menschen, Organisationen und gesellschaftlichen Akteuren zu unterstützen. Seit 2017 werden auf der Website regelmäßig Podcasts (EvidenceTALKS) und Webinare <EvidenceBITES> zu verschiedenen Themen veröffentlicht und auch die eigenen Übersichtsstudien zu „Performance Management“, „Learning & Development“, „Employee Enagement“, etc. sind überaus beeindruckend. Ich hatte das Vergnügen einige Vertreter des Teams im November 2016 persönlich kennen zu lernen und bin sehr angetan von ihrem Wissen und ihrer Professionalität.
    • Das Center for Evidence-Based Management ist eine mitgliederfinanzierte, gemeinnützige Organisation, die neben Lehr- und Lernunterlagen auch zahlreiche Artikel und Informationen kostenfrei zur Verfügung stellt. Insbesondere die Guidelines zu Critically Appraised Topics (CATs) sowie Rapid Evidence Assessments (REAs) stechen heraus.
    • Ein weiterer wichtiger Akteur, der die Bewegung weg von meinungsgetriebenen Auseinandersetzungen hin zu evidenzbasierten Diskussionen unterstützt, verbirgt sich hinter der Website Science for Work. Hier findet man zahlreiche Studien und Blogs zum Thema.